Kleine Stadt

Mit Blick auf das Leitziel „Selbstverwirklichung in sozialer Integration“ wird an der Käthe-Kollwitz-Schule das Modell der „Kleinen Stadt“ praktiziert. Vom Kollegium vor nunmehr über 20 Jahren entwickelt, erfuhr das Konzept über die Jahre hinweg beständige Evaluation, Anpassung und notwendige Veränderung. Es ist bis heute ein bestimmender Teil des Schullebens.

An Dienstagnachmittag von 13:30 bis 14:30 wandelt sich das Schulgebäude zu einer „Kleinen Stadt“ derzeit mit einem Laden, einer Bücherstube, einem Spielcasino, einem Café und einem Kino. Die aktuellen Angebote werden am Vormittag über die Lautsprecheranlage ausgerufen und anschließend an einer Plakatwand zur Einsicht für alle dokumentiert. Vorbereitungen für die „Kleine Stadt“ finden in der Regel am Dienstagvormittag statt. Jeder Schüler bringt pro Woche 0,50 € Taschengeld für die „Kleine Stadt“ mit. In den meisten Klassen gibt es Schüler-Spardosen für Restgeld.

Die Preise in der „Kleinen Stadt“ sind an die finanziellen und rechnerischen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler angepasst und bewegen sich in einem Rahmen von 0,10 € bis 0,50 €. Gerechnet wird, wenn möglich, in 10 Cent-Schritten. Wo nötig werden gegebenenfalls auch 5 Cent-Schritte genutzt.

Angegliedert an die „Kleine Stadt“ sind zudem der Postdienst (Verteilen von Briefen und Essensplänen) und der Mülldienst bzw. die Wertstoffinsel. Diese zusätzlichen Dienste werden im Rahmen des Klassenunterrichts der Hauptstufe ausgeführt, da sie zeitlich über die Möglichkeiten eines Nachmittags hinausgehen.

Alle Schülerinnen und Schüler werden in der „Kleinen Stadt“ zu Kunden oder Dienstleistern. Erwachsene treten in den Hintergrund und sind nur unterstützend tätig. Die Klassen der oberen Hauptstufen richten als Gesamtklasse oder in wechselnder Verantwortung die Angebote aus, leisten die notwendigen Vorbereitungen und übernehmen den Service. Die Grundstufen- und jüngeren Hauptstufenschüler bewegen sich als Kunden weitgehend selbstständig und selbstbestimmt innerhalb der „Kleinen Stadt“.

Alle Beteiligten profitieren von dieser Öffnung des Schullebens. Vielfältige soziale Kontakte werden über die Klassengrenzen hinweg gepflegt, Freizeitangebote werden selbstbestimmt genutzt und kommunikative Fähigkeiten geschult. Zudem werden Fertigkeiten im Umgang mit Geld realitätsnah und in einem für die Schülerinnen und Schüler überschaubaren Rahmen geübt. Notwendige Hilfsmittel können hierbei situations- und schülerspezifisch eingesetzt werden.

Für die Schülerinnen und Schüler der oberen Hauptstufe bieten sich zudem vielfältige Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten im Bereich „Selbstständige Lebensführung“ (Planung, Einkauf, Zubereitung von Lebensmitteln, Abrechnung, Buchführung etc.).

Besondere Möglichkeiten ergeben sich zunehmend auch im Hinblick auf den Aufgabenbereich Inklusion. Die „Kleine Stadt“ bietet optimale Möglichkeiten des ungezwungenen und selbstverständlichen Miteinanders von Menschen mit und ohne Behinderung. Angeregt von bereits bestehenden Kooperationen besuchen Schülerinnen und Schüler der Grundschule die „Kleine Stadt“ und nehmen alleine oder geführt von Schülerinnen und Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule die unterschiedlichen Angebote wahr. Schülerinnen des benachbarten Gymnasiums betreuten phasenweise die Bücherstube und bereicherten das Angebot durch Vorlesesequenzen.